Magen-Darm-Erkrankungen sind der häufigste Vorstellungsgrund in meiner tierärztlichen Ernährungsberatung. Für die Allgemeingesundheit des Tieres spielt ein funktionsfähiger Verdauungstrakt eine entscheidende Rolle. Ein normal ablaufender Verdauungsprozess ist wichtig für die Aufnahme der vom Körper benötigten Nährstoffe und beeinflusst somit die Gesundheit aller Organe des Tieres.
Weiterhin ist der Darm das größte Immunorgan des Körpers. Bei einem nicht intakten Immunsystem können sich Erreger im Darm einnisten und vermehren. Das verschlechtert das Darmmilieu und führt zu Folgeerkrankungen.
Es ist von entscheidender Wichtigkeit, die Ursache einer Magen-Darm-Erkrankung zu finden, um Folgeerkrankungen zu vermeiden und eine weitere Schwächung des Immunsystems zu stoppen.
Mögliche Ursachen von Magen-Darm-Erkrankungen:
- Futterbedingte Ursachen:
- Futtersortenwechsel
- chemisch/toxinbelastetes Futter
- unpassende Zusammensetzung des Futters
- Nebenbeigaben/Leckerlis nicht verträglich
- Parasiten/Einzeller:
- Wurminfektionen
- Giardien
- Kokzidien
- Bakterien:
- Salmonellen
- Clostridien
- Medikamente:
- Kortikosteroide (z. B. Kortison)
- entzündungshemmende Medikamente (z. B. Schmerzmittel)
- Antibiotika
- Magensäureblocker
- bestimmte Antiparasitika
- Andere Organerkrankungen:
- Lebererkrankungen
- Bauchspeicheldrüsenerkrankungen
- Nierenerkrankungen
- Schilddrüsenerkrankungen
- Viruserkrankungen:
- Parvovirose
- Staupe
- Leptospirose
- Psychische Faktoren:
- Stress
- Verhaltensprobleme (z. B. Angstverhalten)
Grundsätzlich ist zwischen akuten und chronischen Erkrankungen des Verdauungssystems zu unterscheiden.
Sehr häufig handelt es sich um immer wiederkehrende Beschwerden, die mit der Zeit in immer kürzeren Abständen auftreten und dabei an Intensität/Ausprägung zunehmen. Erbrechen und Durchfall sind die Hauptsymptome, die gemeinsam oder getrennt auftreten können. Auch kann es zu versteckten Symptomen kommen, die auf den ersten Blick für den Tierbesitzer nicht deutlich zuzuordnen sind. Dazu zählen folgende Symptome:
- Grasfressen
- Kotfressen
- unverdauliche Dinge aufnehmen (z. B. Steine)
- unangenehmer Mundgeruch
- häufiges Schmatzen oder Speicheln
- auffallend fahriges und unruhiges Verhalten
- Aggressionen
- Unaufmerksamkeit und mangelnde Lernfähigkeit
Als sehr ernstzunehmendes Symptom gilt: Ablehnung des Futters oder scheinbar wählerisches Verhalten gegenüber Futter.
Bevor die Therapie einer Magen-Darm-Erkrankung erfolgt, muss sichergestellt werden, dass der gesamte Fall mit der Vorgeschichte ausführlich tierärztlich aufgearbeitet wird und alle notwendigen, weiterführenden Untersuchungen gemacht werden. Hierzu zählen Blut- und Kotuntersuchungen sowie gegebenenfalls Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen.
Das gezielt planmäßige Vorgehen ist notwendig, um zu einer fachlich abgesicherten Diagnose der Grunderkrankung zu kommen. Nur so kann eine Therapie erfolgversprechend sein und eine tierärztliche Ernährungsberatung zielführend sein.