Die Leber ist das wichtigste Stoffwechselorgan des Körpers und regelt bedeutsame Körperfunktionen. Sie hat ein sehr großes Regenerationsvermögen. Es muss das Lebergewebe zu 70-80% geschädigt sein, bis es zu einer sogenannten Leberinsuffizienz kommt. Der daraus entstehende Leistungsverlust führt zu Störungen im Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel. Außerdem kann es zur Beeinträchtigung der Galleausscheidung, zur Veränderung der Blutzirkulation und zum Kontrollverlust im Vitamin- und Hormonhaushalt kommen. Lebererkrankungen können sehr lange als chronisches Leiden unerkannt bleiben, bis klinisch sichtbare Symptome auftreten. Die Symptome können anfangs unspezifisch sein. Hierzu gehören: Müdigkeit, Verdauungsbeschwerden, erhöhter Durst, wechselnder/weniger Appetit, Hauptsymptome und hellgefärbter Kot.
Bei einer Blutuntersuchung kann durch spezielle Laborwerte festgestellt werden, ob eine Leberzellschädigung stattgefunden hat. Es werden die Werte von Enzymen gemessen, die in den Leberzellen vorkommen. Diese Enzyme werden erst bei einer Schädigung der Leber aus den Zellen freigesetzt und sind dann in erhöhter Menge im Blut messbar. Zur Basisdiagnostik zählen z.B. die Enzyme GOT (ALT), GPT (ALT) und AP. Der GOT-Wert ist nicht sehr leberspezifisch, da er auch im Blut und im Muskel vorkommt. Er kann auch nach stärkerer körperlicher Belastung erhöht sein. Von Wichtigkeit ist, dass der GOT-Wert nach einer Antibiotika-Behandlung mit Metronidazol erhöht sein kann. Metronidazol wird in Deutschland zur Behandlung von Giardieninfektionen beim Hund und bei der Katze verwendet. Der GPT-Wert ist sehr leberspezifisch, da er nur in den Leberzellen gebildet wird. Bei akuten Leberbelastungen, z.B. durch Toxine oder Medikamenteneinnahme, kann er schnell ansteigen. Auch Blockaden der Gallengänge oder Tumore können zur Erhöhung des GPT-Wertes führen. Nach Verabreichung von Prednison kann er auf das 3-5-fache des eigentlichen Normwertes ansteigen.
Der AP-Wert ist häufig bei Gallenabflussstörungen oder auch nach Cortisonbehandlungen erhöht. Da Leberfunktionsstörungen häufig mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, der Nieren und/oder des Magen-Darm-Kanals verbunden sind, muss die Interpretation der Laborwerte immer in Zusammenhang mit anderen möglichen Erkrankungen erfolgen.
Bei Hinweisen auf eine eingeschränkte Leberfunktion sollte die Ernährung eine Entlastung der Leber zum Ziel haben. Eine Leberdiät ist das wichtigste Medikament für eine erfolgreiche Therapie.
Bei Hunden ist die Verdauung mit Eiweißen von hoher Qualität und hoher Verdaulichkeit sicherzustellen. Die Menge ist laborwertabhängig (Gesamtprotein, Albumin, Ammoniak). Es können z.B. mageres, bindegewebsarmes Geflügelfleisch, Quark, Hüttenkäse, Soja oder Seitan gefüttert werden. Futtermittel, die reich an Bindegewebe sind, wie z.B. Pansen, Schlund, Lunge oder minderwertiges Fleisch, dürfen nicht gefüttert werden. Die Abbauprodukte dieser schwerverdaulichen Eiweiße sind für den Leberstoffwechsel zu belastend. Die Kohlenhydrate sollten ebenfalls leicht verdaulich sein. Gut eignen sich Kartoffeln, insbesondere Süßkartoffeln, Reis und Hafer. Als Gemüse kommen z.B. Auberginen in Frage, da sie zur Entgiftung hilfreich sein können und die Funktion der Bauchspeicheldrüse anregen. Auch können der Diät Faserstoffe, wie z.B. Laktulose oder Pektin zugesetzt werden. Sie führen zur Abnahme der Ammoniakkonzentration, ein Stoffwechselprodukt, das als Zellgift bei Leberschädigungen vorkommt. Auch eignen sich Möhren und Äpfel gut für eine Leberdiät, da sie reich an Pektin sind.
Bei den Vitaminen ist auf eine erhöhte Versorgung von Vitamin E und den B-Vitaminen zu achten.
Bei der Katze trifft eine Leberzellschädigung häufig in Form einer hepatischen Lipidose (Leberverfettung) auf. Hier steht an erster Stelle, die Futteraufnahme sicherzustellen, sodass es nicht mehr zu Gewichts- und Energiebereitschaft kommt. Eventuell muss die Katze hand- oder zwangsernährt werden. Hohe Eiweißmengen in der Diät, mit sehr guter Verdaulichkeit, erlauben eventuell eine Reduktion des Fettgehalts. Als Zusätze in der Diät sollten Taurin (kontrolliert den Gallensäurenstoffwechsel) und L-Carnitin (Hilfe bei der Futterverdauung) nicht fehlen.
Generell gilt für die Leberdiäten von Hund und Katze, dass diese individuell in Abhängigkeit von den Laborwerten des Tieres erstellt werden müssen.