Bis zu 65 % aller Katzen und Hunde sind übergewichtig, und somit ist die Adipositas die häufigste ernährungsbedingte Erkrankung. Vor allem ältere, weniger aktive Tiere sowie kastrierte Hündinnen und Rüden sind betroffen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die Kastration den Grundumsatz der Energie, die ein Tier benötigt, um 20–30 % reduziert. Daraus ergibt sich bei kastrierten Hunden ein ganz anderer Nährstoffbedarf als bei unkastrierten Tieren. Dies sollte bei der Wahl des Futters unbedingt berücksichtigt werden.
Übergewicht führt einerseits zu einer erhöhten mechanischen Belastung der Gelenke und andererseits zu einer geringgradigen, jedoch chronischen Entzündung des gesamten Körpers. Die Entzündungsprozesse gehen von Hormonen aus, die im weißen Fettgewebe gebildet werden. Somit ist mit der Zunahme des Anteils an Fettgewebe auch eine Zunahme der Entzündungsprozesse im Körper verbunden. Diese generalisierte Entzündung im Körper eines übergewichtigen Tieres kann zu diversen Folgeerkrankungen führen. Hier stehen an erster Stelle orthopädische Erkrankungen wie Arthritis/Arthrose, Kreuzbandriss und Bandscheibenerkrankungen. Häufig kommt es zu Stoffwechselerkrankungen, wie Bauchspeicheldrüsenerkrankungen und Leberschädigungen. Die Bildung von Harnsteinen wird ebenfalls durch Übergewicht begünstigt. Die gesamte Immunfunktion ist bei Adipositas reduziert, sodass eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen besteht, die zu Organschädigungen führen kann. Generell verringert Übergewicht die Lebenserwartung.
Das Problem des Übergewichts bei Hunden und Katzen ist ein ernstzunehmendes Thema, welches leider in der Tierarztpraxis viel zu selten im Detail besprochen wird. Die tierärztliche Ernährungsberatung ist ideal dafür geeignet, den Tierbesitzer mit seinem Vierbeiner auf dem Weg zu einem gesunden Körpergewicht zu begleiten und eine deutliche Steigerung der Lebensqualität zu erreichen. Mithilfe des Body Condition Score wird eine Körperkonditionsbeurteilung vorgenommen, die benötigt wird, um das Idealgewicht des Patienten zu ermitteln.
Spezielle fettreduzierte, kommerzielle Diäten bringen manchmal nicht den gewünschten Behandlungserfolg der Gewichtsreduktion. Eventuell ist die Schmackhaftigkeit nicht passend für das Tier, oder die Mengenangaben sind schwierig auf die individuelle Situation des Patienten anzupassen. Ein tierärztlich erstellter Ernährungsplan wird maßgenau auf die Bedürfnisse des übergewichtigen Tieres zugeschnitten. Eventuelle Erkrankungen und Abweichungen in Blutergebnissen werden somit bei der Erstellung des Plans berücksichtigt. Ziel ist es, eine schmackhafte, sättigende Futterration zu erstellen – mit einem verringerten Energiegehalt, einer bedarfsdeckenden Zufuhr an Eiweiß, Mineralstoffen und Vitaminen sowie einem erhöhten Fasergehalt. Die Auswahl der jeweiligen Nährstoffe (z. B. Eiweiße, Kohlenhydrate) kann auf die besonderen Vorlieben des Tieres angepasst werden, sodass auch eine energiereduzierte Diät gerne gefressen wird.